
Πανεπιστήμιο Αθηνών |
| Universität Athen |
Καθηγητής Β. Μπέννινγκ | Prof. Dr. W. Benning |
Kolloquium: Literaturtheorie
Einladung
Am 21. und 22. Mai 2005 findet in der Philosophischen Fakultät (Raum 726, 7. Stock) der Universität Athen (Panepistimioupoli) ein Symposion mit dem Thema
Das Argument in der Literaturwissenschaft
statt, zu dem hiermit eingeladen wird. Das Symposion ist öffentlich.
Die Teilnahme am Symposion wird offiziell bestätigt (Teilnahmebescheinigung).
Interessenten werden gebeten, sich bis zum Samstag, dem 14. Mai 2005 kurz und informell anzumelden, entweder per e-Mail an Frau Ioanna Rizou (ioarizou[at]gs.uoa[dot]gr) oder persönlich in der Bibliothek des Fachbereichs (Philosophische Fakultät, 7. Stock).
Bitte beachten Sie das Programm und die Kurzbeschreibungen der Vorträge.
Zum Thema des Symposions
Es gibt viele Theorien, die für sich in Anspruch nehmen, sagen zu können, was die Literatur ist und wie man sie zu ‚interpretieren’, zu ‚lesen’ oder zu analysieren habe. Auf der anderen Seite gibt es sehr viele Analysen von Literatur, die sich mit ihrem Gegenstand beschäftigen, ohne sich auf irgendeine Theorie zu berufen.
Die Theorien stoßen häufig auf die Grenzen ihres Anspruchs, wenn sie sich in interpretatorischer Absicht dem Text zuwenden, da die Lücke zwischen dem Theoriegebäude und dem konkreten Text nur schwer oder auch gar nicht zu schließen ist. Die theoretisch angeblich ‚unvorbelasteten’ Versuche sind häufig angreifbar, weil theoretische Implikationen in ihre Analysen einfließen, die nicht ausgesprochen werden.
Jeder Versuch, Literatur zu verstehen und dieses Verständnis zu artikulieren, sollte darum auch das Verhältnis von Literatur und Theorie reflektieren. Der Versuch zur Reflexion bezieht sich in der Praxis meist nicht auf eine prinzipielle Gegenüberstellung etwa von Hermeneutik und Dekonstruktion oder von Diskursanalyse und Rezeptionsästhetik, sondern beginnt auf jenem Niveau der Analyse, auf dem man literarische Phänomene begrifflich zu fassen sucht – notwendigerweise begrifflich, wenn man nicht der Auffassung beipflichten will, alle Interpretation sei nur eine Fortsetzung des literarischen Textes selbst. Und dieser Versuch gipfelt dann möglicherweise in der Frage, welche Theorie am besten Aufschlüsse über den konkreten literarischen Text gibt (oder über die Gattung, das Werk, die Diskursformation, den Intertext...).
Je nach Thema und Interesse werden dabei ganz verschiedene Fragestellungen auftauchen. Beschäftigt man sich etwa mit der möglichen Beziehung von Kleist und Homer, so wird zu fragen sein, welche Argumente die These von einer Affinität oder gar einem Einfluss stützen, welche Elemente und Kombinationen von Elementen es erlauben, einen Bezug zwischen den Texten der Schriftsteller anzunehmen. Beschäftigt man sich mit Luhmann und Musil, wird es zunächst darum gehen, prinzipiell zu klären, welche Art von Beziehung zwischen Theorie und Literatur denn zur Diskussion steht: untersucht man Musil als ‚Vorläufer’ der Systemtheorie, der möglicherweise implizit Erkenntnisse der späteren Theorie vorwegnimmt (man denke an die Rolle Shakespeares für die Psychoanalyse), sieht man in der Systemtheorie eine ‚Metasprache’ zur Literatur (und was heißt das im Detail), geht es darum, strukturelle Übereinstimmungen von Literatur und Theorie zu konstatieren, um so zum Verständnis beider beizutragen (und wie sieht dieser Beitrag aus)? – Diese Reflexion lässt sich kaum generalisieren. Zumindest strebt dieses Symposion eine solche Generalisierung nicht an – auch keine Bewertung von verschiedenen Literaturtheorien.